Fachidiot schlägt Kunden tot

    Fachidiot schlägt Kunden tot

Fachidiot schlägt Kunden tot

Jetzt gehen wir mal gemeinsam auf eine Entdeckungsreise. Schließen Sie die Augen und stellen sie sich einen alten 80ziger „Kalter Krieg Thriller“ vor. Am besten noch mit Steven Segal (oder wem auch immer; Bruce Willis geht natürlich auch) auf einem Atom U-Boot somewhere im Meer.

Eine Vielzahl von unglücklichen Zufällen treibt das U-Boot in die gefährlichsten Situationen hinein, das U-Boot wird unter Beschuss genommen und die Gefahr des Sinkens besteht.

Die Mitarbeiter werden nervös, die die Spannung steigt an, überall gehen die Signalleuchten – begleitet von lärmenden Alarmsirenen – an und es ist kaum noch auszuhalten. Die Enge des Raums, der Lärm der Sirenen und die Situation an sich sind kaum noch auszuhalten. Schweiß läuft den Protagonisten von der Stirn. Man will flüchten, kommt aber nicht aus dem Boot heraus. Um einen herum hektisches Treiben, pure Angst und Panik.

So oder so ähnlich fühle ich mich, wenn ich in einem Kundengespräch sitze und mein Interviewpartner holt sie raus: Diese große (kein anderer außer ihm kann sie eigentlich alleine halten), schwere und quer durch den Raum schwingende Keule des Fachwissens, welche über die Köpfe der beteiligten Personen saust und beinahe den einen oder anderen nachhaltig zu treffen scheint.

Vereinzelt kann sich noch weggeduckt werden. Aber in den Augen kann man ablesen, dass man erwartet auch heimgesucht zu werden von dieser unbezwingbaren Fachkompetenz. Es scheint so, als ergebe man sich schon seinem unausweichlichen Schicksal. Den Kopf gesenkt, die Hände zum letzten Gebet gefaltet, sieht man sie dort sitzen und leise vor sich hin murmelnd „irgendwann musste es mich erwischen“ sagen.

„Kommt her, Ihr Unwissenden“, scheint er laut kreischend und keifend herauszustoßen, „ich zeige Euch, wer der echte Master of the Universe ist“. 

Schaum in den Mundwinkeln, die Augen weit aufgerissen, die Schläfen zum Bersten mit Blut gefüllt, steigert er sich von Minute zur Minute immer mehr in das unbändige Verbessern und Belehren, gepaart mit selbstherrlichen Besserwissendenken und „alle anderen Können nichts-Attitüde“ hinein.

Am Climax der Aneinanderreihung von Erfolgsmeldungen, vergisst er, dass man nicht schlecht über alte Auftraggeber spricht, weil man sich ja bekanntlich zweimal im Leben sieht.

Kurze Zwischenfragen, die die Unwissenden zu stellen wagen, werden mit einem Lichtsäbel abgeschnitten, bevor der Frage vollendet ist und die Richtung, auf diese abgezielt wurde, für alle klar ist.

Gerne wird auch die Stimme erhoben und über die Ausführungen der anderen hinweg noch lauter – an den Grenzen zum Fanatismus – darüber referiert. Wer lauter ist, hat halt mehr recht, scheint er sich zu denken.

Okay, jetzt hat der Kania wieder etwas übertrieben! Aber Übertreibungen sind nun mal ein Stilmittel, auf das gerne zurückgegriffen wird. Und ich mache das nun mal besonders gerne. Wie soll ich denn sonst Ihre ganze Aufmerksamkeit erhalten

Jetzt wird sich mal wieder beruhigt und wir kommen wieder auf Normalmaß zurück.

Bitte tun Sie allen einen Gefallen, in dem Sie den Kunden, seine Aufgaben und mögliche Lösungsansätze im Fokus behalten und vermeiden Sie bitte ins Wort fallen, Belehrungen und schlecht über andere sprechen.

Das gehört sich schlicht und ergreifend nicht. Denn wer will schon der Nächste, über den Sie bei nächster Gelegenheit schlecht reden? Ich nicht!

Und im Zweifel schreckt das den Kunden davon ab, Sie zu verpflichten. Und das war ja mal der Grund für Ihre Bewerbung gewesen.

Reduzieren Sie bitte Ihren Redeanteil, denn jede Minute, die Sie weniger sprechen, können Sie sich weniger um Kopf und Kragen reden. Lassen Sie sich nicht von der dunklen Seite der Macht auf den Pfad der Untugend herüberziehen. Denn dann besteht die Gefahr, dass man über das Ziel hinausschießt. Gut zu sein ist Eines. Aber Überheblichkeit und vermeintliche Arroganz (auch wenn es gar nicht so gemeint ist), können ein echter Showstopper sein.

In diesem Sinne: Bleiben Sie frisch, bei Fragen einfach fragen: thorsten.kania(at)com-software.de

Es grüßt

 

Ihr Thorsten Kania