Neulich im Interview

    Neulich im Interview

Über 7 Brücken musst du gehen

Jetzt muss ich doch noch einmal etwas schreiben zum Thema „Interview und wie nehme ich die Hilfestellungen wahr, die mir mein Gegenüber so bietet.“

Okay, die Aufgabe war nicht so einfach. Aber, was soll es denn? Wir leben doch im Consulting davon, dass man an seine Grenzen kommt (oder darüber hinaus geht) und die Komfortzone hie und da ein bisserl verlässt/erweitert. Schließlich will man doch dazulernen?!?! Oder wollen Sie dies etwa nicht? Wollen Sie nicht beim nächsten Projekt ein etwas höheres Honorar rausschlagen, weil Sie eine knifflige Aufgabe zum Erfolg geführt haben?

Mein zu interviewender Consultant hat mit jeder Faser seines Körpers signalisiert, dass ihm das gerade etwas zu heiß wird, was sich hier entwickelt. Bislang kannte er den Einsatz des Tools, das der Kunde einsetzt, nur im kleineren Umfang.

Mein Kunde hatte aber das Ding mächtig aufgebohrt und dafür einen Spezi an Bord gehabt, der über die Jahre hinweg sich sehr intensiv mit der Thematik beschäftigt hat und sich mit der Infrastruktur sehr gut auskannte.

Jetzt hat mein Interviewpartner ein bisschen kalte Füße bekommen, weil er etwas voraussetzte, was sich gar nicht so herausgestellt hat, wie es zu Beginn schien. Häh, was schreibt denn der Kania da? Gemach, gemach, die Aufklärung folgt sogleich.

Da saß er da auf seinem Stuhl, die Beine überschlagen, zur Seite gewandt, ein bisschen verkrampft wirkend. Mit Abwehrsätzen signalisierte er dem Kunden „Hey, ich bin nicht der richtige Mann für Dich“, das obwohl er den Job eigentlich haben wollte. Mindestens ein Jahr Vertrag mit Option auf eine Verlängerung plus neue Technologien ist doch eigentlich gar nicht so schlecht. Und er konnte sogar seine anderen Kunden auch noch bedienen.

Wie konnte dies nur geschehen?

Na, weil er nicht richtig hinterfragt hat. So einfach ist es manchmal im Leben.

Aber mein Interviewpartner hat sich den schweren Weg ausgesucht und während er diesen Weg gegangen ist, wurden so viele Pfähle in den Boden gerammt, dass er den Weg nicht mehr sah, den es zu gehen gab.

Und dann war er so stark mit dem Verarbeiten der Informationen beschäftigt, dass die Brücken, die man extra für ihn gebaut wurden, nicht mehr gesehen hat und stattdessen sich in seinen eigenen Hirnwindungen verlaufen hat.

Nochmal langsam zum mitschreiben, bzw. lesen:

Klären Sie die Erwartungshaltung ab! Niemand, ich schreibe es mal groß und fett: NIEMAND erwartet, dass man einen verdienstvollen, jahrelangen Mitarbeiter, ab dem ersten Tag sofort ersetzt, so dass kein wirklicher Unterschied zu spüren ist.

Rom, Mailand oder Madrid (Hauptsache Italien) wurden ja auch nicht an einem Tag erbaut!

Wenn Sie sich gerade nicht gut fühlen im Gespräch, dann reden Sie darüber und bemühen sich darum ein Verständnis aufzubauen. Was dem Kunden recht ist, kann Ihnen nur billig sein.

Fragen Sie nach: „Habe ich Sie richtig verstanden, dass…..“, „Wie die Aufgabenbeschreibung bei MIR angekommen ist, suchen Sie einen …..! Verstehe ich Sie da richtig?“

Und dann gehen wir einen Schritt nach dem Anderen. In diesem Gespräch hat sich dann im weiteren Verlauf gezeigt, dass hier auch nur Wasser (zugegebenermaßen sehr viel Wasser) zum Kochen verwendet wird.

Aber die Sache war beherrschbar, der Herrscher aller Reusen konnte auch noch konsultiert werden und der Kunde eigentlich verständnisvoll, was die Einarbeitung anbetrifft.

Er wollte halt das Gefühl haben, dass der Consultant, der den Job übernimmt, die Aufgabe auch erfüllt und sich reinkniet.

Eigentlich gar nicht so schlimm, oder?

Nehmen Sie es sich doch einmal bewusst vor und sie werden sehen, es fühlt sich gut an, wenn man vorbereitet in ein Gespräch geht und zudem noch im Gespräch analysiert und richtig handelt!

Ansonsten bekommt jemand anderes den Job. Wäre ja eigentlich nicht so schön.

In diesem Sinne: Bleiben Sie frisch, bei Fragen einfach fragen: thorsten.kania(at)com-software.de

Es grüßt

Ihr Thorsten Kania